Montessori-Schule Wertingen

Steckbrief

Bildungseinrichtung Private Montessori-Schule Wertingen
Adresse Zusmarshauser Straße 19
86637 Wertingen
Deutschland
Träger / Bauherr Träger: Montessori-Förderverein des Kreises Dillingen e.V.Bauherr: GbR Krug/Dohrn, Fuggerstr. 11, 86150 Augsburg
Architektur / Gestaltung Hauptgebäude: Andreas Sedlmaier,
Günzburg
Werkhaus: Eberle Architekten,
Augsburg
Anzahl der Nutzer/innen 349
Alter der Nutzer/innen Primar (5-12 Jahre)
Sek I + II (10-20 Jahre)
Pädagogenzahl 43
Anzahl weiterer Mitarbeiter 42
Baufertigstellung 2005
Details Baufertigstellung Hauptgebäude: 1994, 1. Aufstockung 97, 2. Aufstockung 01, 3. Aufstockung 09
Werkhaus: 2005
Details Bauzeit Umbau vom Möbelhaus zur Schule: 5 Monate
Aufstockungen jeweils 4 Monate
Werkhaus 18 Monate
Details Planungsbeginn

Bruttorauminhalt 11.340,00 m³
Details Bruttorauminhalt 8.750,00m³ Hauptgebäude
2.590,00m³ Werkhaus
Gesamtnutzfläche 3.244,36 m²
Details Gesamtnutzfläche 2.504,36 m² Hauptgebäude
740,00 m² Werkhaus
Herstellungskosten 5.935.000,00 €
Details Herstellungskosten 4.600.000,00 € Hauptgebäude
1.335.000,00 €Werkhaus
Einrichtungskosten 400.000,00 €
Details Einrichtungskosten 320.000,00 € Hauptgebäude
80.000,00 €Werkhaus
Kosten der Außenanlagen 80.000,00 €
Details Kosten der Außenanlagen 60.000,00 € Hauptgebäude
20.000,00 € Werkhaus
Leitung Erika Biberacher / Heike Kahler
Webseiten

www.montessori-schule-wertingen.de

Die Montessori-Schule in der schwäbischen Kleinstadt Wertingen besteht aus einem Kinderhaus, einer Grund- und Hauptschule und einer Montessori-Fachoberschule. Grund- und Hauptschule sind in einem ehemaligen Möbelhaus untergebracht, das für diesen Zweck umgebaut wurde. Für die Fachoberschule ist zunächst das Gebäude aufgestockt worden; im weiteren Verlauf wurde ein weiteres Gebäude ergänzt, das vornehmlich Räume für den Ganztagsbetrieb umfasst (Werkstätten, Koch- und Speisebereich, Bewegungs- und Musikräume). Auch das (organisatorisch eigenständige) Montessori-Kinderhaus für Kinder ab 1,5 Jahren befindet sich auf dem Schulgelände.

Fotograf: Montessori Schule Wertingen

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Fotograf: Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Pädagogik

Die Montessorischule Wertingen ist eine Schule in freier Trägerschaft und wurde 1990 als eine Elterninitiative gegründet. Der erste Jahrgang umfasste seinerzeit 18 Erstklässler; daraus ist inzwischen eine offene Ganztagsschule mit mehr als 330 Schülern in insgesamt 12 Jahrgängen geworden. Die Oberstufe ist als Fachoberschule mit den beiden Zweigen Sozialwesen sowie Wirtschaft und Verwaltung ausgelegt.

Das pädagogische Konzept der Schule lässt sich bündeln im programmatischen Leitmotiv „Hilf mir, es selbst zu tun“ (Maria Montessori): Unterricht wird konsequent von der Aktivität des einzelnen Kindes aus gedacht. Basis dafür ist die „vorbereitete Umgebung“, in der alle zentralen Bildungsgegenstände in prägnanter Weise und selbsterklärend geordnet zur Verfügung stehen. Die Initiative, diese Gegenstände zu „ergreifen“, geht – individuell unterstützt durch die Erwachsenen – vom einzelnen Kind aus. Dieses Prinzip liegt allen organisatorischen Einzelentscheidungen des Schulkonzepts zugrunde:

  • jahrgangsübergreifende Klassen, die sicherstellen sollen, dass die Kinder voneinander und miteinander lernen;
  • ausgedehnte Freiarbeit, in denen jedes Kind in seinem Tempo lernen kann;
  • eigens entwickelte Lernmaterialien: das so genannte Montessorimaterial, das ein Erlernen der elementaren Fertigkeiten wie Rechnen, Lesen und Schreiben mit allen Sinnen ermöglicht;
  • räumliche Ordnung des Klassenraums in Lerninseln und Sitzkreisteppich;
  • gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern: Montessori-Schulen verstehen sich seit ihren ersten Gründungen vor knapp hundert Jahren als inklusiven Schulen („Eine Schule für alle“).



Architektur

Ein ehemaliges Möbelhaus ist der Kern der Schulanlage: der zweigeschossige Stahlskelettbau wurde nach der Gründung der privaten Montessori-Schule umgebaut und mehrfach erweitert. Zunächst stand die Gestaltung der Klassenräume im Vordergrund. Das bestehende Raster der Stützen und die tragenden bzw. aussteifenden Elemente des Gebäudes schränkten zwar die Möglichkeiten des Umbaus und die Anordnung der Räume ein; andererseits bot das vorhandene Stützensystem die Möglichkeit, die innere Organisation stärker an pädagogischen und nicht an statischen Erfordernissen auszurichten. Die Trennwände der Klassenräume sind nichttragend, so dass der Grundriss der Schule auch künftig ohne größeren baulichen Aufwand an neue Anforderungen an die Lernumgebung angepasst werden kann.

Feste und statisch unverzichtbare Einbauten wie zum Beispiel der ehemalige Sägespäne-Turm wurden erhalten und baulich so angepasst, dass sie neue Nutzungen aufnehmen konnten: Der Turm wird heute als zweigeschossige Bibliothek genutzt. Für die kleine Aula in der Eingangszone des Gebäudes wurde in einem Teilbereich die Geschossdecke des Untergeschosses abgesenkt. Die darunter liegenden Räume dienen als Lageräume und Toiletten; der entstandene Niveauunterschied im Erdgeschoss wird durch Sitzstufen der Aula ausgeglichen.

Um die innere Erschließungszone als Lern- und Erfahrungsraum mit zahlreichen Sichtverbindungen in die Klassenräume nutzen zu können, wird der aus Brandschutzgründen notwendige Fluchtweg über die Fenster auf einen Putzbalkon und eine Wendeltreppe nach draußen gewährleistet. Die bereits vorhandenen Oberlichtbänder wurden durch große Fensterelemente ergänzt, die den Ausstieg nach Außen ermöglichen und die Klassenräume mit ausreichend Tageslicht versorgen. Damit der Ausstieg auch für kleinere Kinder zu nutzen ist, bilden breite Treppenstufen aus Holz eine Ausstiegshilfe. Sie dienen im pädagogischen Alltagsbetrieb als Orte, die zum Lesen, Spielen oder Vorführen genutzt werden. In den Obergeschossen gelangt man über die Fenster zu vorgehängten Laubengängen, die als Fluchtwege fungieren.

Neben den verschiedenen Erweiterungen des ehemaligen Möbelhauses wurde im Jahr 2005 ein neues Gebäude errichtet: Das zweigeschossige „Werkhaus der Generationen“ befindet sich im rückwärtigen Gartenbereich des Schulgeländes und nimmt neben Werkstatt-, Theater- und Musikräumen den Esssaal mit Küche, Arbeitsräume der Fachoberschule sowie Büros und Besprechungsräume auf. Durch die bodentiefe Verglasung haben die Werkstätten einen starken Bezug zum angrenzenden Freiraum, den die Kinder im Sommer für Bildhauer- oder Metallarbeiten und die Gartenarbeit mitnutzen. Die zweiflügligen Fenstertüren lassen sich bei Bedarf zu Verkaufständen umbauen, so dass die selbst hergestellten Produkte zum Beispiel bei einem Tag der Offenen Tür verkauft werden können: Ein Brett wird zwischen die Türen geschoben, die Markise wird herausgefahren und schon ist ein Tresen installiert, der von innen bedient werden kann.