Erika-Mann-Grundschule

Steckbrief

Bildungseinrichtung Erika-Mann-Grundschule
Adresse Utrechter Straße 25
13347 Berlin - Wedding
Deutschland
Bildungsform Grundschule
Träger / Bauherr Verein der Freunde und Förderer der 20. Grundschule Wedding e.V. / Land Berlin, vertreten durch das Bezirksamt Mitte von Berlin, Abteilung Wirtschaft und Immobilien
Architektur / Gestaltung Umbau: "Die Baupiloten" der TU Berlin (Frank Drenckhahn, Johannes Gutsch, Gordana Jakimovska, Nils Ruf, Urs Walter) unter der Leitung von Susanne Hofmann, AA Dipl.
Altbau: Ludwig Hoffman
Anzahl der Nutzer/innen 600
Alter der Nutzer/innen Primar (5-12 Jahre)
Pädagogenzahl 65
Pädagogendetails davon 4 Sonderpädagogen und ca 15 Erzieherinnen
Anzahl weiterer Mitarbeiter 2
Details weiterer Mitarbeiter 1 Hausmeister und 1 Sekretärin
Baufertigstellung 11.2003
Bauzeit 5 Monate
Planungsbeginn 07.2003
Gesamtnutzfläche 1.111,00 m²
Details Gesamtnutzfläche Flure und 2 Treppenhäuser
Herstellungskosten 129.000,00 €
Details Herstellungskosten aus dem Förderprogramm "Soziale Stadt" und Quartiersfond/Aktienfond
Leitung Karin Babbe
Webseiten

www.erika-mann-grundschule.com

www.baupiloten.com

Die Erika-Mann-Grundschule ist in einem alten Schulgebäude im Berliner Stadtteil Wedding untergebracht. Mit dem Umbau sollte das denkmalgeschützte Gebäude an zeitgemäße pädagogische Anforderungen angepasst und zugleich als ein lebendiger, offener Ort im Stadtteil etabliert werden ("KinderKiezZentrum").

Der Umbau erfolgte in zwei Phasen.

O-Töne

Fotograf: Baupiloten

Im verflixten – verflixt schönen – 7. Jahr der Silberdrachenwelten und im 3. Jahr der Silberdrachenschnaubwelten gilt es herauszufinden, wie die Kinder ihre ästhetische Alphabetisierung mit ihrem Leben und Lernen in der offenen Ganztagsschule zusammen bringen können.
Es wurden im März 2010 die raumerfahrensten Schüler und Schülerinnen der Erika-Mann Schule befragt. Von 192 Kindern antworteten 141, das sind 73,4%

 

 

1.  An welchen Ort in deiner Schule hältst du dich am liebsten auf?
    
48,9 % auf dem Schulhof
34,7 % im Chillroom
16,3 % im Werkraum
15,6 % im Computerraum
14,5 % auf dem Flur
14,2 % im Klassenraum
14,2 % im Schnaubgarten
29,7 % Sonstiges (Bücherei, Sporthalle, Aula, Dormitorium, Rappelkiste....

Der Ort, an dem ich bin, an dem die Kinder sich in ihren Bedürfnissen ausleben, sie ihren Interessen nachgehen können, sind dominiert vom Schulhof und dem Chillroom. Beide Räume stehen trotz großer Unterschuedlichkeit für Bewegung, für fließendes Sein – einzeln oder in der Gruppe. In allen anderen Räumen gilt dies ebenso, jedoch dominieren hier zusätzlich gezielte Handlungsmöglichkeiten: im Werkraum das kreative eigene Gestalten, im Computerraum die Information und das Spiel, auf dem Flur das Arbeiten und das Kommunizieren, im Klassenraum die Nutzung der dortigen Lernlandschaften und im Schnaubgarten die Nutzung der Audiothek.
Fast 30 % nannten sonstige Räume. Dies ist ein Verweis auf die Raumvielfalt, die der persönlichen Individualität Rechnung trägt.
Das Leitziel der Schule, sie als Lern- und Lebensraum für den ganzen Tag zu gestalten, ist mit diesen Rückmeldungen wunderbar eingelöst, da die Kinder eben dies empfinden und benennen.

2. Gibt es einen Ort, an dem du gerne noch was verändern möchtest?
 
48,9 % Toiletten sollen sauber sein, Toilettenpapier und Seife fehlt
17,7 % Schuhregale oder Schließfächer erwünscht
08,5 % Klassenräume neu gestalten, Chillroom (die Ecken sind zu scharf)
24,9 % Sonstiges (Schaukel könnte auf dem Schulhof sein, Schulhof könnte sauberer sein, Fußballplatz könnte größer sein)

Das Verbesserungspotential ist deutlich benannt. Es entspricht auch immer wieder den Ergebnissen aus den Sitzungen des Schülerparlaments. Die künstlerische Trilogie in vier Jungentoiletten „Wer schaut mir beim Pinkeln zu“ hat zu einer deutlichen Hygieneverbesserung beigetragen. Die Lösung des fehlenden Papiers ist noch nicht in Sicht, da der Papierverbrauch und die unsachgemäße Nutzung leider immer noch greifen.

3. Was macht deine Schule für dich besonders?

19,8 % Chillroom
14,9 % Morgenband
10,6 % bunte, schöne Räume
09,9 % Lernen
09,2 % viele verschiedene Aktivitäten
08,5 % Theaterspiel
07,8 % Werkraum
07,0 % alles
21,3 % Sonstiges ( Nette Lehrer, Hofpause, Silberdrachen, Schnaubgarten, Pausenräume, Fotogalerie, Computerraum, Drachengarten

Die Identifikationspunkte für die Kinder zeigen in der Auflistung eine wunderbare Verquickung von Raum und Inhalt.

4. Hast du irgendwo in der Schule Spuren hinterlassen können oder über die Gestaltung mitentscheiden dürfen?

39,7 % Ja
21,3 % Bildergalerie
19,8 % Garderobe
14,2 % Fotogalerie
05,3 % Sonstiges (Bilder in der Toilette, Theater, Plakate, Hort, Werkraum)

Die Fragestellung führte zu unterschiedlichen Auffassungen der Antwortmöglichkeiten. So sind die Ja-Antworten zum Teil ohne Konkretisierung, zum Teil mit einer oder sogar zwei bestimmte Nennungen abgegeben worden. In jedem Fall erleben die Kinder sich sehr deutlich selbstwirksam. Und das bedeutet Identifikation mit dem Ort, an dem ich bin.

5. Hat sich der Aufwand gelohnt?

81,6 % Ja
18,4 % Nein

Hier ist nichts hinzuzufügen. Und der Silberdrache schmunzelt! Wie im Treppenhaus zur Turnhalle!
Die Drachenschatzkammer – der Garderobenraum – hat in Künstlerischen Projekten „Fabelwesen“ als Schatzwächter hinzubekommen. Das alte Mosaik wurde abgelöst. Die Einweihung ist am 4. Mai 2010.
Der Chillroom bekommt neue Blütenblätter. Einweihung in der letzten Juniwoche 2010.
Und schließlich sind die alle Kinder der Schule neu fotografiert worden. Im Mai 2010 erstrahlt die Fotogalerie im dritten Stock neu.
Und der Silberdrache zieht sich schmunzelnd in seinen Drachengarten voller Zufriedenheit zurück.

Fotograf: Jan Bitter

Pädagogik

Die Schule versteht sich als „Schule für den ganzen Tag“ und steht der Schülerschaft von 6.00 bis 18.00 Uhr offen. Grundprinzip der pädagogischen Arbeit ist, dass sich alle Kinder mit ihren Fähigkeiten bestmöglich entfalten und entwickeln können. Dies erfordert einen Unterricht mit individuell angepassten Lernangeboten: unterschiedliche Aufgaben im binnendifferenzierten Unterricht, Unterricht mit Wochenplan oder in Projekten. Die Kinder lernen in den ersten Jahren in altersgemischten Lerngruppen; selbstbestimmtes Lernen zählt zu den wichtigen Prinzipien. Die Schule ist eine von drei anerkannten Modellschulen zum Theaterspiel und pflegt besondere Maßnahmen zur Gewaltprävention wie beispielsweise Konfliktlotsen, Schulstation und eine Kooperation mit der Polizei.
2004 erreichte die Erika-Mann-Grundschule beim Nationalen Preis „Soziale Stadt“ den 1. Rang.
2008 hat die Erika-Mann-Grundschule in der Endrunde des Deutschen Schulpreises den 8. Platz erhalten.

Architektur

Das viergeschossige Gebäude stammt aus dem Jahr 1914 und entspricht in seiner räumlichen Grundkonzeption den damals üblichen Typologien. Vom Flur als Erschließungsstrang gehen die Klassenräume zu einer Seite ab.
Die Umbaumaßnahmen des ersten Bauabschnitts 2003 bezogen sich zum überwiegenden Teil auf die Flurbereiche, die nun zu vielseitig nutzbaren und atmosphärisch starken Aufenthaltsräumen geworden sind.
In der zweiten Umbauphase 2006/2007 wurde das Gebäude für den Ganztagsunterricht eingerichtet. Weitere Flure und Klassenräume wurden zu Freizeitlandschaften umfunktioniert, die den Anforderungen des rhythmisierten Unterrichts gerecht werden können. Von rhythmisiertem Unterricht spricht man, wenn sich die zeitliche und inhaltliche Ausgestaltung des Schultages am natürlichen Rhythmus des Kindes orientiert.

Film: Erika-Mann-Grundschule in Berlin Wedding, Bertelsmann Stiftung

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