Kinderschule Bremen

Der Umbau des Schulgebäudes war durch den Einzug der Kinderschule notwendig geworden, deren bisheriger Standort im Rahmen der bremischen Schulstandortplanung aufgegeben werden sollte. Das vorhandene Gebäude musste mit den besonderen Erfordernissen einer reformpädagogischen Ganztagsgrundschule in Einklang gebracht werden, in der die Schülerinnen und Schüler ganztägig und selbständig, praktisch und gemeinsam lernen und arbeiten können. Dabei galt es, den Raumbedarf mit dem bereits vorhandenen Schulmuseum („Schulgeschichtliche Sammlung“) abzustimmen.

Fotografin: Ele Hermel

Pädagogik

Die Schule arbeitet seit 1993 als staatliche Modellschule. Zuvor wurde sie bereits im Rahmen einer Elterninitiative als stadtteilbezogene Freie Ganztagsschule betrieben. Freie Ganztagsschule bedeutet, dass das Nachmittagsangebot freiwillig nutzbar ist. Ihr Selbstverständnis basiert auf einer inklusiven Pädagogik, die sich an den individuellen Potenzialen und Lernbedürfnissen aller Schülerinnen und Schüler orientiert. Kernpunkte des pädagogischen Konzeptes sind altersgemischte Lerngruppen sowie Unterrichtsformen, die auf selbständiges Lernen und ein hohes Maß an Kooperation ausgerichtet sind. Als wichtiges Format des Lernens verknüpft die Projektarbeit Unterrichts- und Betreuungsangebote an der Schule.

Architektur

Das zentral im Stadtteil Hastedt gelegene Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1904 und entspricht dem Typus der Volksschulgebäude, wie sie zu jener Zeit vielerorts errichtet wurden. Kinderschule und Schulmuseum nutzen das Gebäude gemeinsam. Die Räumlichkeiten der Schule sind im Erdgeschoss, Teilen des Untergeschosses und im 1. Obergeschoss untergebracht; das Schulmuseum nutzt die darüber liegenden Geschosse. Alle Gruppenräume der Kinderschule befinden sich im ersten Obergeschoss, zentrale Einrichtungen (Mensa, Schulleitung / Sekretariat) im Erdgeschoss. Daneben wurden verschiedene Themenräume eingerichtet (z.B. „Werken und Atelier“, „Leseoase“), die auf die drei zur Verfügung stehenden Geschossebenen verteilt sind.

O-Töne

Erik, 10 Jahre, Schüler

Kinderschule

Erik:

1. An welchem Ort in Deiner Einrichtung hältst Du Dich am liebsten auf? Ich bin am liebsten auf dem Flur, da kann ich mich austoben und spielen.
2. Gibt es einen Ort, an dem Du gerne noch was verändern möchtest? Wenn ja, wo und was? Toll wäre es, wenn wir einen Toberaum hätten mit großen Bauelementen, einer Kletterwand und einem Trampolin....
3. Was macht Deine Bildungseinrichtung besonders? An meiner Schule gefallen mir die Projekte am meisten, besonders Werken und Naturerkundung.
4. Hast Du irgendwo in der Bildungseinrichtung Spuren hinterlassen können oder über die Gestaltung mitentscheiden dürfen? Ich habe den Leseclub mitgestaltet, meine Ideen waren die Hochebene und die Schaukel. Auf dem Schulhof war ich am Entwurf der Echse (Skluptur) und der Wasserpumpe beteiligt.

Antje Waterholter, Architektin
und Moderatorin des
Beteiligungsprozesses

Frau Waterholter:

5.    Welche Partner haben das, was wir in der Datenbank zeigen, vor allem befördert?
Zum Einen wurde über die Bereitstellung der Ressourcen von behördlicher Seite die Sanierungs- und Umbaumaßnahme erst ermöglicht. Zum Anderen hat sich die Schule für ein umfangreiches Beteiligungsprojekt entschieden, welches vom Schulverein getragen wurde.
Über die Partizipation der Kinder, des LehrerInnenteams und der Eltern konnte so eine an allen NutzerInnen orientierte Architektur und Gestaltung entstehen, die diese Bildungseinrichtung zur Umsetzung ihres besonderen pädagogischen Konzeptes benötigt. Über das Landesinstitut für Schule Bremen wurden der Prozess dieses Beteiligungsprojektes sowie auch anschließend die NutzerInnenzufriedenheit evaluiert. Das hat nicht nur ein inspirierendes Reflektieren ermöglicht, sondern im Ergebnis u. a. gezeigt, dass eine hohe Zufriedenheit deutlich spürbar ist. Dankenswerter Weise hat die Kroschke Stiftung für Kinder über einen finanziellen Beitrag die Dokumentation des Projektes „Wir machen Schule“ ermöglicht. Als Kooperationspartner konnte das Bremer Zentrum für Baukultur gewonnen werden.
Über diese Veröffentlichung bleibt das Projekt noch lange Zeit anschaulich und lebendig.

6. Hat sich der Aufwand gelohnt?
Der Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt. Denn die Beteiligung aller NutzerInnen trägt maßgeblich zur Zufriedenheit und Identifikation mit dem Gebäude bei. Nicht nur die Standortsuche, sondern auch das Raumkonzept und Raumprogramm, die Gestaltung der Innen- und Außenräume und letztendlich der Umzug wurden in diesem Projekt gemeinschaftlich vorbereitet, begleitet, geplant und umgesetzt. Es sind multioptionale Lernräume, flexible Zonen und eine Wohlfühlatmosphäre entstanden, die auch die Umsetzung des reformpädagogischen, inklusiven Konzeptes begünstigen. Darüber hinaus sind Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen gefördert worden, die nicht nur im Schulprogramm foestgeschrieben sind, sondern in der Schule täglich gelebt werden.