Kindergarten Schukowitzgasse
Der Stadtteil Breitenlee ist eines der wichtigsten Stadterweiterungsgebiete Wiens. In jüngster Zeit sind daher eine ganze Reihe neuer Schulen und Kindergärten entstanden, um eine angemessene Versorgung mit Bildungsinfrastruktur gewährleisten zu können. Angrenzend an den neuen Kindergarten in der Schukowitzgasse befinden sich bereits eine Grundschule und ein weiterer Kindergarten, der 2003 erbaut worden ist.
Der Neubau des Kindergartens erfolgte mit einer sehr kurzen Planungs- und Bauphase: nach dem Architekturwettbewerb in 2009 konnte der Kindergarten bereits im September 2010 eröffnet werden.
Pädagogik
Das pädaogische Grundkonzept ist gebunden an die kommunalen Vorgaben; der Kindergarten weist jedoch eine ungewöhnliche räumliche Besonderheit auf, die auf den pädagogischen Alltag großen Einfluss hat. Die insgesamt vier Gruppen mit ca. 95 Kindern im Obergeschoss werden nicht in getrennten Gruppenräumen untergebracht, sondern nutzen einen großen gemeinsamen Raum, der durch mobile Elemente in verschiedene Bereiche untergliedert ist
Steckbrief
Bildungseinrichtung
Kindergarten Schukowitzgasse
Adresse
Schukowitzgasse 85
1220 Wien
Österreich
Bildungsform
Krippe, Kindergarten, Hort
Träger / Bauherr
MA 11 / MA 10 – Wiener Kindergärten
Architektur / Gestaltung
kirsch ZT gmbh
Anzahl der Nutzer/innen
131
Alter der Nutzer/innenr
0-6 Jahre
Pädagogenzahl
13
Pädagogendetails
11 Pädagogen, 1 Sonderpädagogin, 1 Leiterin
Anzahl weiterer Mitarbeiter
8
Details weiterer Mitarbeiter
Assistentinnen
Baufertigstellung
2010
Bauzeit
6 Monate
Bruttorauminhalt
4.300,00 m³
Gesamtnutzfläche
1.133,00 m²
Details Gesamtnutzfläche
Flure: 115 m²
Herstellungskosten
2.845.000 €
Einrichtungskosten
118.000 €
Kosten der Außenanlagen
108.000 €
Leitung
Architektur
Aufgrund des heterogenen städtebaulichen Umfelds entschieden sich die Architekten für einen kompakten Baukörper, der als räumlich offenes System konzipiert ist und dessen Nebenräume, Balkone und Außentreppen in einer Filterschicht um das Gebäude angeordnet sind. Das Gebäude ist aufgrund eines hohen zeitlichen Drucks in Fertigbauweise erstellt worden (Bauzeit: 6 Monate). Die außen liegenden Boxen, die sich zu den Gruppenräumen nach innen orientieren, sind mit einer Holzschalung verkleidet. Die übrigen Fassadenflächen bestehen zumeist aus bodentiefen Verglasungen, die die Gruppenräume trotz der an der Fassade angeordneten „dienenden“ Räume mit ausreichend Tageslicht versorgen.
Die Anordnung der Nebenräume an der Außenwand des Gebäudes ermöglicht im Inneren eine vergleichsweise freie Grundrissdisposition, sodass der Innenraum flexibel durch mobile Regale, Umkleideschränke und verschiebbare Tafeln in verschiedene Spiel- und Lernbereiche zu differenzieren oder wahlweise als Ganzes zu nutzen ist. Durch dezentrale Anordnung der Nebenräume hat jeder Gruppenbereich einen eigenen Wasch- und Toilettenraum, eine Abstellbox und eine Spiel- und Rückzugsnische.
Die vorrangig weißen Wände und die Verwendung von unterschiedlichen Grautönen bringen die naturbelassenen Oberflächen der Betonstützen, des Parkettfußbodens und der hölzernen akustisch wirksamen Deckenpaneele zur Geltung. Das Verhältnis der unterschiedlichen Materialien Glas, Holz, Beton und Putz erscheint ausgewogen und ermöglicht gleichzeitig noch genügend Gestaltungsfreiheiten für Erzieher und Kinder, sich den Raum anzueignen und entsprechend auszugestalten. Die von den Architekten eigens entworfenen Möbel erzeugen eine wohnliche Atmosphäre in den Gruppenbereichen, in denen sich die Kinder augenscheinlich gut beheimatet fühlen.
Orientierung
Der Kindergarten ist im Grundriss klar strukturiert, seine Konstruktion klar ablesbar und durch seine Dimensionen und geschaffenen Blickbeziehungen innerhalb des Hauses für die Kinder erfassbar und leicht zu überblicken. Die Treppe im Zentrum des Gebäudes erleichtert die Orientierung und ist wichtiger Bestandteil des Gesamtraums; durch den offenen Grundriss im Obergeschoss und die damit einhergehende natürliche Belichtung sowie dem über dem oberen Antritt angeordneten Oberlicht ist der Raum am oberen Austritt heller als bei dem Antritt der Treppe im Erdgeschoss.
Außengelände
Der aufgrund der Grundstücksverhältnisse knapp bemessene Außenraum der Einrichtung macht es erforderlich, dass auch die Freiflächen der benachbarten Bildungseinrichtungen mitgenutzt werden können. Der nahe gelegene Schulsportplatz kann nach Absprache ebenfalls genutzt werden.
Die vorhandene Sandspielfläche kann in der Zeit, in der sie nicht genutzt wird, mit einer Plane gegen Verunreinigung (Laub, Tierkot etc.) abgedeckt werden. Während des Spiels der Kinder dient diese Plane zugleich als Sonnenschutz. Dafür sind an den vier Ecken der Plane große Gummischlaufen befestigt, die wiederum mit vier Metallpfosten an den Ecken der Sandspielfläche verbunden sind. Die gelbe Farbe der Plane soll Wespen von den spielenden Kindern fernhalten.
- Entlang der Fassade, zwischen den außen liegenden, mit Lärchenholz verkleideten Nebenräumen, sind feinmaschige Rankgitter gespannt, die mehrere Funktionen erfüllen:
- Sobald die Kletterpflanzen an den zaunartigen Rankgittern hoch gewachsen sind, bieten sie einen natürlichen Sonnenschutz – dies ist ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Baustein für eine ökologische Erziehung.
- Mit diesen grünen „Pflanzenwänden“ werden die Holzterrassen im Erdgeschoss künftig vom allgemeinen Außengelände noch eindeutiger abgeteilt und bieten den Gruppenräumen einen individuellen, räumlich gefassten Außenbereich.
Die aus dem Gebäudekern herausragenden „Boxen“ mit den Nebenräumen werden durch die Rankgitter miteinander verbunden: das Wechselspiel aus geschlossenen, transparenten und halbtransparenten Fassadenflächen gibt dem äußeren Erscheinungsbild des Gebäudes eine besondere ästhetische Qualität.
Gruppenbereich
In jedem der Gruppenbereiche steht an der Außenfassade eine box-artige Spiel- und Rückzugsnische zur Verfügung. Sie ist deutlich mit einer Doppelstufe vom übrigen Raum leicht erhöht abgesetzt, zum zentralen Raum hin aber offen. Dadurch ist Dreifaches gewährleistet: Rückzugsmöglichkeit für die Kinder, Übersicht „von höherer Warte aus“ über das, was im Hauptraum geschieht – und wiederum leichte Einsehbarkeit für die Erwachsenen.
Darüber hinaus verfügt jeder Gruppenbereich ebenfalls über einen dezentralen Toiletten- und Waschraum, der mit einer Verglasung vom Hauptraum abgetrennt ist. Auf dieser Verglasung ist - weit sichtbar - ein großer Zentimetermaßstab in Zentimeter bzw. Dezimeterschritten bis zur Decke angebracht, der für ältere Kinder, die beginnen, sich bewusst auch im „Zahlenraum“ zu bewegen, auf spielerische Weise zu ersten Messprozeduren (z.B. der eigenen Körpergröße oder auch zur Höhe des Raums) hinführen kann.
Die Räume sind mit eigens hergestellten sechs-eckigen Sitz- und Lagerelementen in unterschiedlicher Höhe ausgestattet. Sie werden von den Kindern zum Sitzen und Klettern genutzt, dienen aber auch zur Aufbewahrung von Spielmaterialien. Die geometrische Grundform des Sechsecks findet sich zudem in den mobilen Regalelementen, die zur Zonierung des großen Raums im Obergeschoss dienen.
Ähnlich wie die Rankgitter im Außenbereich und der gläserne Zollstock am Wasch- und Toilettenraum bieten diese Sechseckformate eine optisch und haptisch anregungsreiche Umgebung für die Kinder, ohne überreizend oder aufdringlich zu wirken.
Toiletten
Anstelle einer zentralen Toilettenanlage verfügt jeder Gruppenbereich über einen dezentralen Toiletten- und Waschraum, der mit einer Verglasung vom Hauptraum abgetrennt ist. Dies erleichtert den schnellen Zugang für die Kinder wie auch die altersgemäße Aufsicht durch die Erwachsenen und die gemeinsame Sauberhaltung. Besonders hervorzuheben ist die qualitätvolle Gestaltung.
Verwaltungsräume
Das Büro der Kindergartenleitung befindet sich im Erdgeschoss unmittelbar neben dem Haupteingang. Diese Lage und die großzügige Verglasung zur Straße und zum Foyer machen das Selbstverständnis der Kindergartenleitung unmittelbar deutlich, die sich als zentrale Anlaufstelle für Kinder, Eltern und Erzieher versteht. Angrenzend an das Leitungsbüro ist ein Konferenzraum angeordnet, der je nach Nutzung durch eine mobile Trennwand in zwei Räume unterteilt werden kann, die als Elternsprechzimmer oder auch Therapieraum genutzt werden.