Ajer Ungdomsskole
Die Ajer Ungdomsskole in der norwegischen Kleinstadt Hamar (ca. 30.000 Einwohner/innen) ist eine von mehreren Lower Secondary Schools („Ungdomsskolen“) im Stadtgebiet. Der Schulstandort liegt nordwestlich des Stadtzentrums in einer überwiegend von Einfamilien- und Reihenhäusern geprägten Umgebung und umfasst neben der Ajer Ungdomsskole auch eine größere Upper Secondary School.
Pädagogik
Im Rahmen seines kommunalen Bildungskonzepts hat sich die Stadt Hamar entschieden, mehrere kleinere anstatt einer größeren Schule für alle Schüler/innen der Jahrgangsstufen 8 bis 10 zu betreiben. Dieses dezentrale Modell unterstützt den Stadtteilbezug, schafft kurze Wege und ermöglicht es, den Schulen eigene Schwerpunktsetzungen zu bilden.
Mit ihrem pädagogischen Schwerpunkt „Musik, Tanz und Schauspiel“ hat die Schule ca. 360 Schüler/innen, ca. 120 in jeder der drei Jahrgangsstufen. Wichtigstes Prinzip der Schulorganisation sind jedoch nicht die Jahrgangsstufen, sondern sechs „Teams“ mit jeweils ca. 60 Schülern und vier fest zugeordneten Lehrern, die möglichst alle Hauptfächer abdecken. Diese Teams werden je nach Bedarf bzw. Unterrichtsform in 30-er, 20-er, 15-er oder noch kleinere Gruppen unterteilt; jedes Team hat einen Teamsprecher, jede 15-er Gruppe einen so genannten Mentor. Im Schulalltag arbeiten Schüler und Lehrer daher regelmäßig in Gruppen unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung; auch die Dauer der Unterrichtseinheiten variiert und wird in aller Regel innerhalb der Teams festgelegt.
Wie alle Lower Secondary Schools in Hamar orientiert sich die Ajer Schule neben ihrem individuellen Schwerpunkt an vier gemeinsamen, so genannten „focus areas“: Lesen; Mathematik; Sport, Essen und Gesundheit; Kreativität und Demokratie.
Architektur
Das in den 1960er Jahren errichtete Gebäude entsprach einem seinerzeit verbreiteten Typ mit Klassenräumen an den beiden Längsseiten sowie den gemeinschaftlichen Einrichtungen im Mittelbereich des Gebäudes. Mit dem Umbau und der Erweiterung des Gebäudes ist diese Grundstruktur aus Klassenräumen und Fluren zugunsten separat erschließbarer Teileinheiten aufgegeben worden, die jeweils aus mehreren, unterschiedlich großen Räumen bestehen (> Base-Prinzip). Auf jeder Gebäudeseite sind zwei dieser Teileinheiten angeordnet: Sie sind miteinander verbunden, die Primärerschließung erfolgt jedoch über neu geschaffene Treppenhäuser, durch die jede Teileinheit separat zugänglich ist. Die dem ursprünglichen Gebäude nun vorgelagerten Anbauten erweitern diese Teileinheiten um zusätzliche Un-terrichtsräume. Deutlich sichtbar sind die Anbauten an den Stirnseiten als aufgeständerte, mit Holz verkleidete Körper ausgebildet. Unter den Anbauten ergeben sich kleine überdachte Aufenthaltsbereiche im Freien, die von den Schülern gerne angenommen werden.
Beim Umbau des Hauptgebäudes wurde die ehemalige Aula in ein Veranstaltungszentrum umgewandelt. Für die darunter liegende Turnhalle ist ein neuer Vorbereich geschaffen wor-den, der im 1. Obergeschoss nun als Terrasse für Cafeteria und Veranstaltungszentrum genutzt wird.
Die Erweiterung des bestehenden Gebäudes fand überwiegend in nördlicher Richtung statt. Der neue Gebäudeabschnitt nimmt die Lehrer- und Verwaltungsräume auf; Alt- und Neubau sind durch einen gläsernen Eingangsbereich miteinander verbunden. Der Neubau schließt als vorstehender Körper den Platz vor der Schule ab, eine leichte Überdachung führt zum zwischen den beiden Gebäudeteilen liegenden Eingang.
Dem Umbau und der Erweiterung vorangegangen war ein längerer Planungsprozess, in dem die ursprüngliche Konzeption aus Klassenraum/Flur-Einheiten zu Gunsten dieses neuen „base-Prinzips“ aufgegeben wurde. Auch das Kollegium hatte zunächst für die Beibehaltung des alten Prinzips votiert, ließ sich aber in der Zusammenarbeit mit den Architekten und durch Besuche anderer Schulen überzeugen, dass eine veränderte räumliche Organisation des Lernens den formulierten pädagogischen Konzeptionen besser entsprechen würde.